- Katrin Rönike, der Freitag, 9. Juni 2015
Das Griechenland-Bild der Deutschen hängt schief. Deswegen geben sich hier lebende Griechen Mühe, ihre Freunde, Bekannten oder Blogleser mit Hintergründen zu versorgen.

- Jakob Augstein, 4. Juni 2015
Die allerallerallerletzte Chance
"Der österreichische Journalist Robert Misik hat neulich darauf aufmerksam gemacht, dass der deutsche Diskurs von politischer Klasse und medialem Establishment sich weit jenseits der europäischen Normalität abspiele: "Während hier selbst in linksliberalen Medien ein Zerrbild vom "radikalen Finanzminister" Gianis Varoufakis gezeichnet wurde und ihm uralte und auch noch verfälschte Zitate in den Mund gelegt wurden, musste man schon die "New York Times", den "Guardian" oder auch den erzkonservativen "Telegraph" lesen, um die Wahrheit zu erfahren"

- „Diese Eurozone hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht ändert“, NachDenkSeiten, 4.Mai 2015, Wolfgang Lieb

- "Wahrscheinlich das Beste, was zur Griechenland-Krise im deutschen Fernsehen gelaufen ist. Und der Schluss ist unvorstellbar. Danke!" (Michalis Pantelouris)
ZDF Die Anstalt 31. März 2015 komplett | 31.3.2015

- Erstausstrahlung Januar 2015, ARTE: Leidenschaftlich fordert Harald Schumann mehr Transparenz und Verantwortung für ein soziales Europa. Dafür nimmt er seine Zuschauer mit auf eine packende Recherchereise, bei der er dem Ursprung und den Auswirkungen konkreter Entscheidungen der Troika auf den Grund geht. Die TROIKA... "Macht ohne Kontrolle"

- Sehenswert! Georg Schramm: Finanzkrise, Griechenland, Armutsschere | Berlin 2015

- Griechenland in der Krise - wie kam es dazu? Der Filmemacher Yórgos Avgerópoulos portraitiert die Eurokrise aus griechischer Sicht über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren. Er fängt die politischen und sozialen Auswirkungen in intensiven, teilweise erschütternden Bildern ein und spricht sowohl mit politischen Entscheidungsträgern als auch mit den direkt Betroffenen.

- 3. Februar 2015, die NachDenkSeiten: hervorragende Beitragssammlung zum Thema Europa und Griechenland!

- Die Zeit, 9.2.2015, Fabian Lindner
"Yanis Varoufakis, der Wirtschaftsprofessor und neue griechische Finanzminister, hat letzte Woche in Berlin bei der Pressekonferenz mit Wolfgang Schäuble in einem emotionalen Statement an die Solidarität der Deutschen appelliert, da gerade Deutschland aus der historischen Erfahrung der 1930er Jahre weiß, wie schlimm die politischen Folgen einer Wirtschaftsdepression sein können. Sind das nur Sprüche eines Griechen, der an "unser Geld" will? Mitnichten. Die wirtschaftliche Katastrophe Griechenlands wird hierzulande kleingeschrieben.

- Spiegel online, 08.06.2014 von Manfred Ertel
"High Heels sind keine Waffe" - Eine neue Generation mutiger Ermittler geht in Griechenland gegen Korruption vor - ohne Rücksicht auf alte Seilschaften. Sie wird angeführt von zwei Frauen an der Spitze des Justizapparats.

- in der Kalamata-Zeitung im März 2014 ein Artikel über Dr. Joachim Genth und das Ambulatorium, welches Hilfebedürftigen kostenlose Behandlungen anbietet.
(englische Übersetzung bei Parea sti Mani)

- Süddeutsche, von Hans von der Hagen, 10. Januar 2014
"2014 könnte es in Griechenland wieder bergauf gehen, behaupten Ökonomen. Davon ist im Land noch nichts zu spüren, sagt Georgios Baliakas, Mitglied der Bürgerbewegung O topos mou. Im Interview erklärt er die Stimmung im Land - und wie die Krise die Menschen verändert."

- Telepolis, 26.11.2013, von Wassilis Aswestopoulos
"Wer beim Hochwasserschutz spart, geht baden  Auch im neuen Etat möchte Stournaras bei den öffentlichen Investitionen sparen. Der gerade über Griechenland hereinbrechende Winter zeigt, dass dies offenbar übertrieben wurde. In zahlreichen Regionen gab es nicht genügend Mittel für den Hochwasserschutz, geschweige denn die Reinigung der Abwasserkanäle..." Grecovery - eine mathematische Erfolgsstory oder ein menschliches Desaster?

- Der Spiegel, 26.10.2013, von Fragkiska Megaloudi, Heraklion
Sie zählen zu den Leidtragenden der hellenischen Krise: Für die Mittelschicht Griechenlands gleicht das Leben einem permanenten Existenzkampf. Die Wut richtet sich auf Europa - und auf die heimischen Eliten, die aus dem Niedergang nichts zu lernen scheinen.hhhhhhhhhhhh

- Telepolis, 29.09.2013, von Wassilis Aswestopoulos
Chrysi Avgi als verbrecherische Organisation eingestuft!
Samstag, der 28.09.2013 war ein denkwürdiger Tag, an dessen Ende fast die komplette Parteiprominenz der Chrysi Avgi in Handschellen zur Schau gestellt wurde. 10 Morde oder Mordversuche, Schutzgelderpressung, Bombenlegungen, rassistische Übergriffe sowie zahlreiche weitere Straftaten bis hin zur Verwicklung in einen Bankraub stehen in der Anklageschrift. Der vorgelegte Ermittlungskatalog reicht bis ins Jahr 1987 zurück.

- TELEPOLIS, 19.09.2013, von Wassilis Aswestopoulos 
"Anhänger der rechten Chrysi Avgi ermordet antifaschistischen Hip Hopper"

- ZEIT-online, 05.09.2013, von Marga Diamant
"Immer mehr Flüchtlinge stranden in Griechenland. Die verarmten Griechen können den noch ärmeren Fremden kaum noch helfen. Brandbrief einer Lehrerin aus Athen."

- DER SPIEGEL 13/08/2013, von Julia Amalia Heyer
People Power: Young Greeks Team Up to Combat Crisis! Gute Ideen, Mut und Solidarität können aus der Krise helfen!

- Süddeutsche Zeitung, Magazin, Heft 04/2013, Von Alexandros Stefanidis 
»Das, was Sie hier sehen«, sagt Jobst Rudolf, der deutsche Chefneurologe des Papageorgiou-Krankenhauses in Thessaloniki, »ist ein Auszug aus dem täglichen Überlebenskampf des griechischen Gesundheitssystems. An manchen Tagen herrscht in unserer Notaufnahme das blanke Elend. Wie im Krieg.«

- Melanie Mühl, 15.12.2012, FAZ:
"Georg Pieper neigt nicht zum Verdrängen. Griechenland sah im Oktober 2012 für ihn folgendermaßen aus: Hochschwangere Frauen eilen bettelnd von Krankenhaus zu Krankenhaus, doch weil sie weder eine Krankenversicherung noch genügend Geld haben, will niemand ihnen helfen, ihr Kind zur Welt zu bringen. Menschen, die noch vor kurzem zur Mittelschicht zählten, sammeln in einem Athener Vorort Obst- und Gemüsereste von der Straße, Junge, Alte, Kinder, während neben ihnen die Marktstände abgebaut werden................ Georg Pieper sagt: „Ich frage mich, wie viel diese Gesellschaft noch aushalten kann, bevor sie explodiert.“ Griechenland stehe kurz vor einem Bürgerkrieg. Es scheint lediglich noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die kollektive Verzweiflung der Menschen in Gewalt entlädt und über das Land ausbreitet. Und davon sind wir alle betroffen.

- Interview mit ALISSEOS im September 2012 zur Lage in Griechenland

- Wassilis Aswestopoulos 17.09.2012
Knapp die Hälfte der Sparmaßnahmen, die von der aus drei Parteien bestehenden Regierung geplant sind, erschien den Prüfern fragwürdig. Nicht bemängelt wurden die Lohn- und Rentenkürzungen. Auf Widerspruch stieß die Absicht der Griechen, weniger für Rüstungsmaterial auszugeben als bisher.

- im Sept. 2012 Prof. Dr. Heinz Richter: eine der besten Analysen der griechischen Misere von einem ausgezeichneten Kenner griech. Geschichte und - wichtig - Mentalität, absolut lesenswert und allen europäischen Politikern ans Herz (besser: ans Hirn) zu legen:      
Klientelistische Parteien haben Geschichte in Griechenland

- 02.09.2012, Spiegel-TV:
EU-Subventionsunsinn: Abwrackprämie für griechische Arbeitsplätze

- Eindrucksvolle Aufklärungsserie der Frankfurter Allgemeinen zur Finanzkrise und Demokratie von Frank Schirrmacher, Jürgen Habermas, Albrecht Müller, Michael Hudson und Sarah Wagenknecht.
Besonders erwähnenswert sind uns die folgenden Artikel.
- 01.11.2011, Frank Schirmacher
Der griechische Weg – Demokratie ist Ramsch
- 15.08.2011, Frank Schirmacher
Bürgerliche Werte – „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat
- 04.11.2011, Jürgen Habermas über : "Gewinnerwartungen der Investoren und die Erwartungen der Wähler" und zum o.g.Artikel von Schirrmacher:
Euro-Krise – Rettet die Würde der Demokratie

- 05.12.2011, Petros Markaris
Der Winter steht bevor, und viele Griechen haben kein Geld mehr für Strom und Heizöl. Die Parteien haben den Staat und die Wirtschaft ruiniert. Was soll aus Griechenlands Jugend werden?

- 20.11.2011, Panos Drossinakis
"Die aktuelle Wirtschafts- und Schuldenkrise in Griechenland ist unter anderem das Ergebnis einer tiefen politischen Krise, die auf die falsche Politik der zwei großen Parteien des Landes zurückzuführen ist........... Es ist eine Tatsache, dass die Regierung in den letzten 20 Monaten viele Veränderungen durchgesetzt und Missstände bekämpft hat, wie alle Regierungen in den vergangenen Jahrzehnten nicht vermochten. Zum Vergleich: Die Reduzierung des Defizits um mehr als fünf Prozentpunkte allein im Jahr 2010 würde für Deutschland bedeuten, dass der Staat in etwa 125 Milliarden von heute auf morgen innerhalb eines Jahres einsparen müsste. Dies ist faktisch, wie der ehemalige Finanzminister Hans Eichel eingestanden hat, für die deutschen Verhältnisse unmöglich."

- 20.10.2011, Wassilis Aswestopoulos
"Dem Land fehlt kein Sparprogramm, vielmehr ist es dringend vonnöten, dass es Zeit und Gelegenheit erhält, sich von parteipolitischen Spielchen zu befreien. Denn das was momentan stattfindet, hat mit einer Eurorettung oder einem vereinten Europa kaum etwas zu tun............
.........Schon jetzt kippen in Athener Schulen zahlreiche Kinder in Ohnmacht. Die Jugendlichen kollabieren jedoch nicht vor Aufregung über bevorstehende Prüfungen, die sie ohne Schulbücher meistern müssen. Die Kinder leiden schlicht unter Unterernährung. Im Zweifelsfall landen solche Kids in Krankenhäusern, wo sie das bereits überlastete und durch finanzielle Einbußen geschwächte Gesundheitssystem weiter belasten............"

- 16.07. 2011, Der Spiegel
"Griechische Durchschnittsverbraucher sehen sich inzwischen mit dem dritthöchsten Mehrwertsteuersatz Europas konfrontiert, den dritthöchsten Sozialversicherungsbeiträgen oder der zweithöchsten Benzinsteuer. Zwei von drei Griechen zahlen regelmäßig Steuern, die "entgegen weitverbreiteter Ansichten" (so die Friedrich-Ebert-Studie) bei allen Beschäftigten im privaten Sektor und im öffentlichen Dienst zusammen mit Sozialabgaben vor der Gehaltszahlung automatisch einbehalten werden. Es ist vor allem die kleine Oberschicht, die den Fiskus jährlich um rund 40 Milliarden Euro Steuern bringt...."

- 31.05.2011, Wassilis Aswestopoulos 
Die Frage nach der Zukunft des Euro rückt für viele Griechen immer mehr in den Hintergrund. Sie möchten statt der währungspolitischen Sanierung zunächst eine Reform des politischen Systems erreichen. Zu Recht..... .

- 27.05.2011, Michael Thumann
Protestieren, durchhalten, selber machen... .
Viele Griechen wenden sich von der EU und dem eigenen Staat ab.

- 27.05.2011 Wassilis Aswestopoulos
Kein Geld, keine Zukunft und eine Stinkwut im Bauch - Griechen protestieren friedlich auf den Plätzen der Großstädten gegen die Parteien

- 20.05.2011 Manuela Pfohl und Andreas Albes
Das Schlimme sei, dass immer mehr Leute nicht mehr wissen, wie sie über die Runden kommen sollen und gleichzeitig kein Einziger von denen, die für die Krise verantwortlich sind, je zur Verantwortung gezogen wurde. Die vielen Besserwisser aus der EU machten die miese Stimmung im Volk nicht besser. Im Gegenteil. "Die Griechen haben es satt, immer nur als die faulen Geldverschwender abgestempelt zu werden, die es sich auf Kosten der anderen EU-Länder gut gehen lassen".

- 19.05.2011 Wassilis Aswestopoulos
Unbestritten ist, dass einzelne Griechen zu Lasten der Allgemeinheit massiv über die Verhältnisse lebten. Zweifelsohne haben viele, vor allem deutsche Rüstungsunternehmen und Elektronikkonzerne an Griechenlands korrupter Politik verdient. Man kann es deutschen Steuerzahlern nicht verdenken, wenn sie solch ein Chaos nicht finanzieren wollen. Ebenso wenig sollte man es jedoch den griechischen, spanischen, portugiesischen und irischen in der Mehrzahl ehrlichen Bürgern vorwerfen, dass sie auch nicht für die Fehler europäischer Politiker gerade stehen möchten.

- 18.05.2011 - Von Sven Böll und David Böcking, Spiegel-online
Mythos vom faulen Südeuropäer: "Die von Merkel kritisierte Urlaubsfreude der Südeuropäer ist laut Zahlen der EU-Agentur Eurofound ohnehin ein Mythos. Demnach haben Spanier und Portugiesen im Durchschnitt jährlich Anspruch auf 22 Urlaubstage, die Griechen auf einen Tag mehr. Deutsche dagegen stehen mit durchschnittlich 30 Urlaubstagen europaweit an der Spitze - und führen selbst dann noch deutlich, wenn Feiertage hinzugezählt werden........Griechenland schließlich hat verschiedene Steuern seit Ausbruch der Wirtschaftskrise gleich mehrfach erhöht. Die Mehrwertsteuer stieg von 19 zunächst auf 21 und dann auf 23 Prozent. Auch Mineralöl- und Tabaksteuer wurden wiederholt deutlich angehoben."

- 18.05.2011 - Von Florian Gathmann und Philipp Wittrock, Spiegel-online
"Beschämend, billig, absurd" - die Empörung über Angela Merkels deutliche Kritik an Renten- und Urlaubsregeln in Südeuropa ist groß.
"..........Allerdings lohnt es sich auch, ernsthaft einen Blick auf die nackten Zahlen zu werfen: Laut Statistischem Amt der EU liegt Deutschland beim tatsächlichen Eintrittsalter (Stand 2009) zwar mit einem Durchschnittswert von 62,2 Jahren vor Griechenland mit 61,5 - aber hinter Portugal mit 62,6 und Spanien mit 62,3 Jahren. Zudem hat das griechische Parlament bereits beschlossen, das gesetzliche Rentenalter auf 65 heraufzusetzen. Berücksichtigt man nur das Durchschnittsalter der Männer, gehen Deutsche laut OECD sogar etwas früher in Rente als Griechen - und gut fünf Jahre früher als Portugiesen.. . ."

- 13.05.2011 von Wassilis Aswestopoulos
Gewaltexzesse als Nebenwirkung der Finanzmarktdisziplin "Das IWF-Rezept hat dem griechischen Patienten ein langsames Sterben eingebracht."

- 12.05.2011 von Ralsf Streck
Wenn "Verrückte" in Europa regieren "Die Daten machen klar, was passiert, wenn das Land wirklich versucht, sein Defizit auf diesem Weg massiv zu verringern. Schon jetzt wird einer ganzen Generation die Zukunft geraubt, denn schon fast 50% der jungen Menschen sind ohne Job. Hunderttausende verlieren neben ihrem Job auch noch ihre Wohnung und sind auf Schwarzarbeit, Betteln oder Diebstahl angewiesen. Das wird ebenfalls fatale Auswirkungen für das Land für viele Jahre zeitigen."

- 5.5.2010 - eine der aufschlussreichsten und mutigsten Äußerungen <<< zu diesem Thema
Rede vor dem Europäischen Parlament

 

 

Das finanzielle Desaster Griechenlands - Mai 2010

Da war noch die Geschichte...... in den 60er Jahren des 20sten Jahrhunderts - und mehr noch in den 70ern und frühen 80ern. Damals gab es in Griechenland eine weit verbreitete Armut. Nicht wie in den Slums der afrikanischen, amerikanischen und asiatischen Stadtränder. In einer ärmlichen Hütte lebten Menschen und Tiere häufig zusammen - dennoch war der gestampfte Lehmboden stets sauber gefegt. Vor der Hütte standen aufgereiht die aufgeschnittenen Blechkanister mit Blumen, Kräutern und Baumsetzlingen. Alles in weiß gekalkt. Es war eine bunte Armut, und manchmal auch eine fröhliche. Stolz und Ehre ersetzen oftmals die klassischen Statussymbole.Die ersten Touristen kamen: Wanderer, Rucksackreisende aus allen Ländern, jung, kein Geld in den Taschen, die Köpfe voller Ideen, Hoffnungen und Träume. Sie wurden in Griechenland von einer armen Bevölkerung mit einer Herzlichkeit aufgenommen, die weltweit ihresgleichen suchte. Der bedürftigste Bauer schenkte von seinen Früchten, der Fischer von seinem Fang. Eine Unterkunft kostete pro Nacht soviel wie eine Packung Zigaretten oder war gar ganz umsonst. Irgendwie ein Paradies, geprägt von einer anderen Kultur - voll vermeintlicher Naivität?  

wer mag Schnecken?!

take one for free

 

Es gab dann schon recht bald einige "Touristen", die  Globetrotterführer verfassten mit detaillierten Angaben, bei wem man wo umsonst wohnen konnte, kostenlos essen und überhaupt: wie und wo man am besten schnorren konnte. Ein Bestseller unter den Alternativreisenden. Verständlicherweise dauerte es nur wenige Jahre, bis die Griechen das merkten und sich ausgenutzt fühlten. Unter ihnen gab es dann recht bald auch die hellen Köpfe, die hinter der Gastfreundschaft Geschäfte witterten. So entstanden selbst in entlegenen Buchten die ersten einfachen Hotels und Tavernen.

Parallel zu dieser Entwicklung fand in Mittel- und Nordeuropa ein atemberaubender Mentalitätswechsel statt, weit weg von einer ethisch begründbaren Daseinsform hin zu dem von Banken erfundenen Leitsatz: "Haste was - dann biste was". Der endgültige Startschuss zum Rattenrennen hinter Geld und Sicherheit. Versicherungen, Banken, Sparkassen, Großkaufhäuser, Konzerne, Medienhäuser formten eine Gesellschaft um nach ihren Vorstellungen, die sich ausschließlich am finanziellen Gewinn orientierte. Die Griechen staunten. In ihren eigenen Reihen hatten sie zwar auch märchenhaft reiche Gestalten, doch diese lebten weit weg in den Hochglanzillustrierten. Dem dörflichen Griechen in seiner Bucht rückte die neue Touristenmentalität jedoch viel näher.

  Gewitter im Anzug

Eine Veränderung war nicht zu leugnen: Hatten die Komplikationen des Hippie-Tourismus für die griechische archaische Denk- und Fühlweise überwiegend darin bestanden, dass sich eine verbotene Nacktheit verbreitete, dass sich an dem offenen Umgang mit Sex die (immer bereite) Phantasie der männlichen Griechen aller Altersstufen entzündete, so war das,  was nun importiert wurde, eher die nackte Gier. Klar wollten auch die meist männlichen Griechen schon immer mal ein tolles Auto fahren und es lag nichts näher, als dass man sich die seit der Antike manifestierte Gastfreundschaft in barer Münze auszahlen ließ. Aus einfachen Tavernen wurden innerhalb weniger Jahre Imbißstände, Snackbars oder gar Stranddiskos. Der japanische Schrott-PickUp blieb verrostet im Garten stehen. Es gab jetzt BMW und Mercedes. Geleast - selbstverständlich - oder mit Ratenzahlungen über 6 Jahre. "Der Grieche" war immer lernfähig, hat sich immer schon sehr schnell auf neue Umstände eingestellt, sich angepasst, und das Beste daraus gezogen - so wie er meint, welches das Beste für ihn sei. Nun sind viele auch in Griechenland so gierig geworden wie viele in Mitteleuropa. Nicht jeder Bauer gibt seine Orange kostenlos her, dem Fischer kann man seinen Fisch bald nicht mehr bezahlen, und der Kaffee kostet soviel, dass die Raten für das neue Auto bezahlt werden können.

Jeder Grieche fühlt sich als erstes verpflichtet, seine Familie zu schützen, zu ernähren, in jedem Fall zu verteidigen. Also baut der "einfache" Grieche jedem Kind ein Haus, wenn er sich's leisten kann. Und wenn er sich's nicht leisten kann, dann hat er ja davon gehört, dass die Banken das Geld nur zu gerne zur Verfügung stellen. Neue Schulden. Ein Spiel - oder ?
Andreas Papandreou hat als erster Ministerpräsident nach der Diktatur diese Denkweise öffentlich gemacht. Es gab Staatsgeschenke aller Art an alle - solange sie ihn wählten, ihren großen Familienvater, ihren Patriarchen. Das ging ins Geld. Und daran hat sich bis vor kurzem nichts geändert.
 

griechische Familienfeste sind etwas sehr Schönes0

Gier allüberall. Aber es funktionierte doch eigentlich wie geschmiert! Siemens bekam Olympia-Aufträge und einige Minister bauten sich in unbebaubaren Gebieten Villen. Natülich mit dem "Fakelo", ein "Fakelaki" (der berüchtigte Briefumschlag, in dem Geld stecken musste) reichte da nicht mehr.... . Ein Nehmen - und Geben! Der bewundernde Blick z.B. nach Deutschland ließ nicht unbedingt schlechte Gefühle aufkommen: Dort konnte ein Kanzler straffrei Schwarzgelder verstecken, ein Ministerpräsident in Hessen das Parlament belügen und dennoch bis heute im Amt bleiben - eine neue große europäische Gemeinschaft war geboren! Denn wenn's knapp wird, helfen die amerikanischen und deutschen Großbanken mit tollen Tricks bei der Verschleierung der maroden Finanzlage.
Nein, wirklich: warum regen sich die Euro-Länder so auf? Die Griechen sind nicht gieriger als alle anderen Europäer, sie haben's nur ein wenig übertrieben, und das mit Hilfe und zum gewaltigen Gewinn ihrer amerikanischen und deutschen Helfershelfer!

Nicht zu vergessen die Anmerkung, dass von einem Volk, welches gerade mal 2% des gesamten europäischen BSP stellt, nicht wirklich eine Gefahr für die gesamteuropäische Währung ausgehen kann. Da steckt nun wirklich etwas ganz Anderes dahinter - und darüber sollte man im Rest-Europa ernsthaft nachlesen, bevor man dümmliche, antigriechische Artikel toleriert - wie im Februar 2010 geschehen.
Hauptsächlich Deutsche haben in Griechenland unglaublich investiert, unglaublich viel nach Griechenland exportiert, und dies nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus Kalkül und ohne sich dafür zu interessieren, ob die Wirtschaftslage des Landes solches auf Dauer verträgt. Griechenland hat es nicht vertragen. Das war vorauszusehen, wenn man voraussehen wollte.
Sollte nun das Thema zum Aufrühren von Nationalismen führen, sind wir tief gesunken. Das gilt für Deutschland ganz besonders, wo man zur Zeit mit vielen Zeigefingern auf "die Griechen" zeigt; und leider auch für Griechenland, da man vielerorts auf den Stinkefinger, montiert an einer antiken Statue  - Symbol der Hochkultur des griechischen Altertums - hysterisch reagiert hat. (s. Titelblatt des "Focus")
 

Genieße den Augenblick - fleißige Frauen...

Zu uns: Wir sind momentan oft sauer, dass der griechischen Bevölkerung in den deutschen Medien außer Korruption nichts zugetraut wird. Wir erleben junge Leute und aufgeklärte Menschen in GR als viel engagierter, kraftvoller und genügsamer als viele von Hybris gepeinigte Nordländler.... . Und ohne Schmiergeld bewegt sich halt doch was - wir haben seit 28 Jahren nie welches gezahlt oder genommen.

Fleiß, Freundlichkeit und Genügsamkeit hat in Griechenland Tradition

Kein Geld, keine Zukunft und eine Stinkwut im Bauch - Griechen protestieren friedlich auf den Plätzen der Großstädten gegen die Parteien

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